Kontaktsperre im nph-Kinderdorf Casa Santa Rosa de Lima (Peru) – Ein Bericht zu den Corona-Maßnahmen vor Ort

Am 16 März 2020, als in Deutschland der große ‚Lockdown‘ begann, schloss auch Peru seine Grenzen und verhängte weitreichende Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Die Schulen waren schon einige Tage vorher geschlossen worden; seit dem 16. März dürfen die Menschen nur noch für Einkäufe und andere lebenswichtige Dinge ihr Haus verlassen.  Zu diesem Zeitpunkt gab es im Land noch weniger als 20 bestätigte Fälle von Covid-19. Jetzt, zwei Monate später, sind es über 80.000 und die einschneidenden Maßnahmen sind schon mehrfach verlängert worden.

Bereits am 17. März sendete Edwin Vallecillo, der Leiter des internationalen medizinischen Teams von nph, eine E-Mail an alle nph-Einrichtungen und warb um Verständnis dafür, dass Maßnahmen umgesetzt werden müssen, die alle stark einschränken, aber zum Schutz der uns anvertrauten Kinder dringend erforderlich sind. Noch am selben Tag schloss auch das nph-Kinderdorf Casa Santa Rosa de Lima in Cañete (Peru) seine Pforten. Für die 100 Kinder im Kinderdorf bedeutet dies, dass sie das Kinderdorfgelände nicht mehr verlassen können und die Familiengruppen der verschiedenen Häuser nicht mehr zusammentreffen dürfen. Auch die Mahlzeiten werden nicht mehr im großen Speisesaal eingenommen. Stattdessen wird das Essen in die einzelnen Häuser gebracht. Zum Glück ist das Gelände des Kinderdorfes weitläufig, so dass die Kinder trotzdem Bewegung im Freien haben, wenn auch nur in kleinen Gruppen.

Für die ‚Tias‘ und ‚Tios‘, wie dort die Betreuer*innen genannt werden, ist es besonders hart: anstelle des normalen Arbeitsrhythmus von 5 Tagen ist dieser auf 15 Tage ausgeweitet worden, damit der Kontakt des Kinderdorfs mit der Außenwelt auf ein Minimum beschränkt werden kann. Tias und Tios tun alles, was Ihnen möglich ist, um den Kindern das Durchhalten zu erleichtern. Viele der Kinder im Kinderdorf sind gesundheitlich belastet; deshalb ist es das höchste Ziel, das Auftreten einer Infektion in der Gemeinschaft zu verhindern. Die wenigen Menschen, die das Kinderdorf noch von außen betreten dürfen, wie z.B. Lieferanten, werden deswegen abgeschottet und kommen nicht mit den Kindern in Kontakt.

Mehr als ein Fünftel der Bevölkerung in Peru ist arm und leidet ganz besonders unter den Einschränkungen. Viele haben seit Wochen kein Einkommen mehr und sind auf die Solidarität ihrer Mitbürger angewiesen. Solidarität erlebt auch das nph-Kinderdorf: Lebensmittelspenden, u.a. von der örtlichen Pfarrgemeinde und von Firmen, helfen, dass trotz knapper Mittel bis jetzt alle genug zum Essen haben. Leider ist Peru in Lateinamerika an dritter Stelle was die Infektionszahlen angeht und der Höhepunkt der ersten Pandemiewelle ist trotz der einschneidenden Maßnahmen möglicherweise noch nicht erreicht. Den Kindern und ihren Betreuern in Casa Santa Rosa de Lima und in den nph-Kinderdörfern in acht anderen lateinamerikanischen Ländern stehen also schwierige Zeiten bevor. Bereits jetzt sind die Lebensmittelpreise in vielen Ländern drastisch gestiegen; hinzu kommt die Notwendigkeit, Medikamente und medizinische Schutzkleidung zu besorgen, damit beim ersten Auftreten von Verdachtsfällen im Kinderdorf die notwendigen Schutzmaßnahmen getroffen werden können. Deshalb sind wir – die ganze internationale nph-Familie – sehr dankbar für die Unterstützung durch unsere Spender und Förderer, die unsere Kinder in diesen überaus  schwierigen Zeiten nicht alleine lassen.